Geschichte

Die Geschichte des Siemens-Tennisclub Redwitz e. V.

Gesch-LuftbildSiemensNachdem sie über ein halbes Jahrhundert Leben und Ortsbild der Gemeinde mitgeprägt hat, verkauft die Siemens AG kurz nach der Jahrtausendwende ihr Porzellanwerk in Redwitz und verlässt den Standort im nördlichen Landkreis Lichtenfels. Der Name unseres Tennisclubs kündet noch heute von diesem bisher wohl wichtigsten Kapitel Redwitzer Wirtschaftsgeschichte.

Im Jahr 1955 – als Gottfried Freiherr von Cramm zum letzten Mal deutscher Tennismeister im Doppel wurde – ließ der damalige technische Direktor des Siemens-Werks, Christian König, von der hauseigenen Bauabteilung für sich und einige leitende Mitarbeiter zwei Tennisplätze anlegen. Die Adresse schon damals: Gässla 22a. Als Untergrund der Anlage wurden Porzellanabfall und die Schlacke aus der Gasanlage des Siemens-Werks verwendet.

Das Interesse am Tennissport war groß genug, dass man sich zur Gründung eines Vereins entschloss. So wurde als erst dritter Tennisclub im Landkreis (nach TC und ESV Lichtenfels) am 28. Mai 1956 der Siemens-Tennisclub gegründet – bis heute unser STC. Im ganzen Regierungsbezirk Oberfranken waren damals erst etwas mehr als 20 Tennisvereine aktiv. Der STC war von Anfang an für alle Interessierten offen und mit Jahresbeiträgen von 12 D-Mark für Erwachsene und der Hälfte für Jugendliche auch allgemein erschwinglich. Schon damals also keine Spur vom verbreiteten Image des abgehobenen und elitären „weißen Sports“. Am Ende des Gründungsjahres hatte der Verein 20 Mitglieder, die ihre Umkleide noch in der benachbarten Gastwirtschaft Hennig vorfanden.

Die erfreulich schnell steigende Mitgliederzahl und die Teilnahme an den Punktspielen des Verbands erforderte 1962 den Bau eines dritten Platzes. Vier Jahre später wurde das 10-jährige Bestehen mit einem Gesch-ClubhausRohbauEinladungsturnier und einem Festabend gefeiert. Im Jahr darauf stand übrigens nach 30 Jahren mit Wilhelm Bungert wieder ein Deutscher im Finale von Wimbledon. Seit 1968 ist der STC mit dem Eintrag ins Vereinsregister beim Registergericht in Coburg ein „e. V.“. Noch wichtiger war in jenem Jahr aber der Bau des eigenen Clubhauses, der durch die Unterstützung von Siemens und anderen Sponsoren, des Bayerischen Landessportverbandes und durch umfangreiche Eigenleistungen der Mitglieder möglich wurde. Der Verein wuchs weiter recht schnell, mehrere Damen-, Herren-, Senioren- und Jugendmannschaften vertraten die blau-weißen Vereinsfarben bei Medenspielen. Schon damals hat sich der Club einer engagierten Jugendarbeit verpflichtet.

Im Jahr 1981 war das 25-jährige Jubiläum ein Höhepunkt in der Vereinsgeschichte: Gefeiert wurde mit einem Einladungsturnier mit bayerischen Spitzenspielern, einem Doppelturnier mit Topspielern des Bezirks, einem Wiedersehen mit ehemaligen Mannschaftsspielern und einem Festabend auf der Lichtenfelser Karolinenhöhe. Im Folgejahr gewann Sylvia Hanika als erste Deutsche des Masters-Turnier der WTA und legte damit den Grundstein für den sagenhaften Boom des deutschen Tennis, für den unter anderen die Namen Boris Becker, Steffi Graf, Michael Stich und Anke Huber stehen. Auch der STC profitierte von diesem enormen Interesse am Tennissport und verzeichnete gleichbleibende Mitgliederzahlen um 130.

Gesch-Bambino80erIn diesen Jahren wurde das Clubhaus mit einem Anbau erweitert, die Umkleideräume wurden saniert und die Außenanlagen und Plätze generalüberholt. Die neue Berieselungsanlage kommt der dauerhaften Qualität der Plätze zugute. Die Siemens AG stand als Sponsor nicht mehr zur Verfügung, und so mussten die zahlreichen Aufgaben mit viel Eigenleistung, Spenden, Zuschüssen des Verbands und Darlehen geschultert werden. Mit dem zu Ende gehenden Tennis-Boom sank Mitte der 90er-Jahre zudem die Mitgliederzahl auf unter hundert. Um diese Entwicklung zu stoppen, wurde unter anderem die Jugendarbeit durch einen bezahlten Trainer professionalisiert.

Das 40-jährige Jubiläum beging man 1996 mit einer Festwoche mit Doppelturnieren mit befreundeten Vereinen. Bei den Profis dominierte inzwischen „Pistol-Pete“ Sampras, bei den Damen konnte nur Monica Seles am Thron von Steffi Graf rütteln. Währenddessen war man beim STC bemüht, wieder mehr Jugendliche und auch Damen für Tennis zu begeistern. Keine geringe Rolle in diesem Bemühen spielte auch zu dieser Zeit schon ein unterhaltsames Vereinsleben jenseits des roten Sands. Feigling-, Alt-Jung- und andere Spaßturniere sorgten und sorgen bis heute neben allerlei Festlichkeiten für Abwechslung und Geselligkeit.

2006 feierte man ein halbes Jahrhundert Tennis in Redwitz mit einem Tag der offenen Tür mit Probetraining, zwei Doppelturnieren und einem Festabend. Bei diesem Anlass wurden für ihre vielfältigen und langjährigen Verdienste um das Vereinsleben drei Ehrenmitglieder des Clubs ernannt: Franz Koller, Georg Krause und Roland Vieweg. Nicht zuletzt dank einer sehr engagierten und kontinuierlichen Jugendarbeit ist es dem STC als einem von wenigen Tennisvereinen gelungen, den Mitgliederstand seit dem Ende des großen Booms nicht weiter absinken zu lassen.

In der Saison 2008 spielten die Herren 30, das sportliche Aushängeschild des Vereins, in der Bezirksliga. Höher hatte keine Redwitzer Tennismannschaft zuvor gespielt. Der sofortige Wiederabstieg konnte zwar nicht verhindert werden, in der anspruchsvollen Bezirksklasse I hält sich die Mannschaft seitdem aber kontinuierlich. Bei den Profis kämpfte sich der ehemalige Weltranglistenzweite und seit Jahren beste deutsche Tennisspieler Tommy Haas nach vielen Verletzungen in die Top 20 der Welt zurück.

Gesch-KinderNeu2009Die professionelle Jugendarbeit wurde 2008 wieder aufgenommen und wird bis heute zu äußerst günstigen Konditionen und sogar im Winterhalbjahr angeboten. Das Angebot wird gerne angenommen, und so konnte zwei Jahre später die erste Kindermannschaft im neuen Kleinfeld-Modus gemeldet werden. Weitere zwei Jahre später waren es bereits vier Kinder- und Jugendmannschaften in vier Altersklassen.

Jeweils im Herbst eines Jahres bereichert seit 2012 das von Anfang an äußerst beliebte Fußballtennis-Turnier das sportliche Gemeindeleben. Zahlreiche nicht nur ortsansässige Vereine spielen nach einem Regelmix aus Tennis und Fußball einen Sieger aus, bevor zum gemütlichen Teil übergegangen wird. Im selben Jahr wurde nach intensiven Prüfungen und Berechnungen eine Photovoltaik-Anlage auf dem Flachdach des Clubheims installiert.

Während sich die Karriere von Tommy Haas dem Ende zuneigt und sich das deutsche Davis-Cup-Team nach dem ersten Viertelfinaleinzug nach drei Jahren heillos zerstritten hat, sind es dieser Tage fast ausschließlich Tennisdamen wie Angelique Kerber, Sabine Lisicki und Andrea Petkovic, die für positive Nachrichten aus dem deutschen Tennis sorgen.

Gesch-Luftbild2012

Die Jahreshauptversammlung im Februar 2014 markierte das Ende einer Ära in der Vereinsgeschichte: Nach 40 Jahren Vorstandsarbeit in wechselnden Funktionen verabschiedeten sich Reinhold Sacher und Gerd Schöb aus der Führung des Vereins. Mit Wunderkerzen, Grußworten und einer Laudatio von Roland Vieweg bedankte sich die Mitgliederversammlung und bereitete den beiden einen würdigen Abschied.